Nasdaq: Kursrutsch vor dem SpaceX-Börsengang
Eröffnet wurde die Börsenwoche durch einen regelrechten Absturz am vergangenen Freitag an der Nasdaq, die ihre Regeln für diesen IPO (Initial Public Offering) extra geändert hatte. Die Wartezeit von drei Monaten bis zur Aufnahme in den Nasdaq-Index wurde für SpaceX und in Folge für Anthropic und OpenAI auf 15 Tage verkürzt.
Dadurch ist frische Kapitalzufuhr vor allem durch die Kleinanleger garantiert. Diese investieren überwiegend in ETFs (Exchange Traded Funds), deren Gewichtung sich an den Börsenindizes orientiert. Die weltweit führende Ratingagentur Standard & Poors hingegen änderte ihre Regeln für die Aufnahme in ihre Börsenindizes Dow Jones und S&P 500 für SpaceX nicht.
Ende der Halbleiter-Manie in Sicht
Während sich die Erwartungen an den SpaceX-Kurs teils überschlagen, zeichnet sich seit Freitag ein Ende der monatelangen Halbleiter-Rallye ab. Am Freitag gab es einen spektakulären Kurseinbruch des Nasdaq-Index um mehr als 1.100 Punkte, was einem Minus von 4,2 Prozent entspricht.
Der Absturz wurde vor allem durch das Quartalsergebnis von Broadcom ausgelöst. Das Unternehmen meldete zwar sehr gute Zahlen, aber einen negativen Outlook. Die Bestellungen von TPU-Chips (Tensor Processing Units) waren eingebrochen. Das hatte einen Rutsch des gesamten Halbleitersektors ausgelöst. Der Philadelphia Semiconductor Index (PHLX), in dem die wichtigsten Werte abgebildet sind, fiel um mehr als zehn Prozent.
Der Montag danach
Am Montag setzte sich diese Entwicklung in Fernost fort. Da musste der Handel an der Börse in Seoul nach einem Absturz des KOSPI-Index um mehr als acht Prozent zeitweise ausgesetzt werden. Verantwortlich waren dafür die Index-Schwergewichte Samsung (minus 10,2 Prozent) und Hynix (minus 7,7 Prozent).
Der Nasdaq-Index zeigte sich am Montag nach dem Absturz wieder etwas konsolidiert und schloss mit einem moderaten Plus von knapp 0,9 Prozent. Nach einer Großbestellung von Google stieg der Kurs von Intel um 11,2 Prozent steil nach oben. Drei Millionen TPU-Chips – spezielle Schaltkreise für neuronale Netze – sollen ab 2028 geliefert werden. Bis jetzt war Broadcom der Hauptlieferant dieser von Google entwickelten Chips.
Käufer verliert, Lieferant gewinnt
Google verlor 1,2 Prozent. Seit dem Ende des Hypes um die KI-Anwender Oracle, Microsoft und Co. im Herbst ist das ein gewohntes Bild. Der Einkäufer von Halbleiterkomponenten verliert, der Lieferant gewinnt. Der größte Gewinner des Montags mit einem Plus von 18,3 Prozent war aber Nasdaq-Newcomer Cerebras.
Die Analysten von Morgan Stanley und zwei anderen Investmentfirmen hatten Cerebras auf "outperform" beziehungsweise "buy" hochgestuft. Der Grund dafür waren nicht etwa neue Aufträge für den Hersteller von großen Wafer-Chips, sondern der nach einem fulminanten Start stark gesunkene Kurs des Unternehmens. Solche rasanten Kursbewegungen bei kleinsten Anlässen sind typisch für das momentane Stadium des KI-Hypes.
Am Dienstag auf und ab
Am Dienstag war es nach Börsenschluss mit der Konsolidierung schon wieder vorbei. Alle wichtigen Papiere schlossen im negativen Bereich. Davor wurde allerdings sehr heftig in beide Richtungen getradet, der Index pendelte während des Handelstags zwischen einem zarten Plus und einem Minus von drei Prozent.
Ebenfalls ein Auslöser für diese wilden Kursbewegungen dürfte eine Nachricht gewesen sein, die sich am Dienstag verbreitet hatte. Über den Nachrichtendienst Bloomberg wurde bekannt, dass die Gründer von Coreweave bereits seit August 2025 laufend Anteile veräußert(öffnet im neuen Fenster) hatten. Die Aktienverkäufe hatten unmittelbar nach Ende der dreimonatigen Sperrfrist eingesetzt. Das auf KI-Clouds spezialisierte Unternehmen war erst im Mai 2025 mit starker Unterstützung durch Nvidia an die Börse gegangen.
Der nächste Börsentag gab ein ganz ähnliches Bild, allerdings bei einem deutlich unterdurchschnittlichen Handelsvolumen.
Da capo am Mittwoch
So gut wie alle Halbleiterfirmen und KI-Anwender bilanzierten in unterschiedlichen Rottönen, der Nasdaq-Index schloss erneut mit einem deutlichen Minus von knapp zwei Prozent. Als Ausreißer nach unten stellte sich die KI-Serverfirma Supermicro heraus, die eine Kapitalerhöhung ankündigte.
Die sei für den Einkauf der Komponenten nötig, um den Backlog an bestellten KI-Servern abzuarbeiten, hieß es dazu vom Unternehmen. Der Absturz um gut 28 Prozent brachte alle ETFs unter Druck, in denen Supermicro stark gewichtet ist.
Der Börsengang von SpaceX(öffnet im neuen Fenster) findet also in einem reichlich nervösen Umfeld bei stetig sinkenden Kursen statt. Und die Bewertungen lagen bei keinem Börsengang eines anderen Unternehmens so weit auseinander: Sie reichen von 750 Millionen bis über 1,75 Billionen. Im Detail sind sie in dieser umfassenden und profunden Analyse nachzulesen.
Die positiven und die negativen Assets von SpaceX
Im Portfolio hat das Unternehmen zwei spektakuläre Erfolgsgeschichten, nämlich Starlink sowie die Falcon-Raketen mit den ersten wiederverwendbaren Boostern überhaupt. Der Transport von Starlink-Satelliten in die Umlaufbahnen lässt sich inzwischen mit einer Aufzugsfahrt vergleichen. Auch die Dragon-Kapsel, die regelmäßig Astronauten zur ISS und wieder zurück transportiert, hat sich als extrem zuverlässig erwiesen. Diese Unternehmensteile sind profitabel und dürften das in naher Zukunft bleiben.
Die weniger positiven Assets
Der jüngst abgeschlossene Vertrag mit Anthropic zur Mitnutzung des Colossus-Rechenzentrums um 1,25 Milliarden US-Dollar pro Monat sieht auf den ersten Blick sehr vorteilhaft für SpaceX aus. Theoretisch könnte der Vertrag bis zu 40 Milliarden US-Dollar bringen. Vereinbart wurde allerdings eine Kündigungsfrist von nur 90 Tagen. Es ist also überhaupt nicht sicher, wie lange die Vereinbarung halten wird.
Diese Kooperation sieht mehr nach einer Notmaßnahme aus, denn die SpaceX-KI Grok hat außer SpaceX keine Kunden unter den Fortune-500-Unternehmen. Die xAI-Sparte gibt aber monatlich rund eine Milliarde für Infrastruktur und Training aus. Die Plattform X, deren Akquise mit immerhin 44 Milliarden zu Buche geschlagen ist, wird im Börsenprospekt praktisch nur noch als Trainingsplattform für Grok erwähnt. Zahlen zu Werbeeinnahmen finden sich nicht.
Die Assets in den Sternen
Und dann gibt es noch die Assets von SpaceX, die quasi außer Konkurrenz firmieren, aber einen beträchtlichen Teil des Börsenprospekts einnehmen. Allen voran ist da das sogenannte Starship zu nennen, das dereinst den planetaren Raum erobern soll. Bis dato wurden allerdings nur zwölf Tests im erdnahen Weltraum absolviert, mit einer beträchtlich hohen Quote an Abstürzen und Explosionen.
Ob die erste echte Mission des Starships wie geplant noch heuer stattfinden wird, steht daher in den Sternen. Dasselbe gilt für die ebenfalls geplanten KI-Satelliten und Rechenzentren im Orbit, für die nur noch eher ephemere Probleme wie Wärmeabfuhr im Vakuum und Serviceability in der Umlaufbahn gelöst werden müssen.
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Erich Moechel(öffnet im neuen Fenster) ist langjähriger Journalist und schreibt Analysen, Hintergründe und Kommentare, weil er findet: Das Leben ist zu kurz, um nicht Klartext zu schreiben.
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