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Wetter: Warum die Klimakrise so frustrierend ist

Die Lösungen zur Bewältigung der Klimakrise werden immer erfolgreicher. Trotzdem fühlen sich viele Menschen ohnmächtig. Woher dieses Gefühl kommt.
/ Mike Faust
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Erneuerbare Energien werden stark ausgebaut und gleichzeitig steigt die Nachfrage nach fossilen Energieträgern. (Bild: Pexels / Intel Core i9 12900K)
Erneuerbare Energien werden stark ausgebaut und gleichzeitig steigt die Nachfrage nach fossilen Energieträgern. Bild: Pexels / Intel Core i9 12900K

Die Jahre 2015 bis 2025 sind die elf wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen(öffnet im neuen Fenster). Gleichzeitig leistet Solarenergie im Jahr 2025 erstmals den größten Beitrag zum weltweiten Wachstum des Energieangebots und Batteriespeicher waren die am schnellsten wachsende Technologie im Stromsektor.

Eigentlich müsste das Hoffnung machen. Warum haben viele Menschen beim Gedanken an die Klimakrise trotzdem ein großes Gefühl von Aussichtlosigkeit?

Nicht nur der Anteil der erneuerbaren Energien steigt, sondern auch die Nachfrage nach den fossilen Energieträgern Kohle, Öl und Erdgas; auch die Atomkraft erlebte eine Wiedergeburt, was in Zeiten von Hitzewellen und Wasserknappheit mindestens fragwürdig ist. Politiker wie US-Präsident Donald Trump schaffen Umweltschutzgesetze ab und in Deutschland zementieren Subventionen die fossile Abhängigkeit (g+).

Keine konsequente Reaktion

Spätestens Mitte der 1980er Jahre rückten das Ozonloch, saurer Regen und das Energiesparen in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Begriffe wie globale Erwärmung und Klimawandel fielen immer häufiger. Der CO2-Ausstoß wurde medial zum Thema schlechthin und erlangte, im Bewusstsein der möglichen Folgen des Klimawandels, immer mehr an Dringlichkeit.

Am bittersten ist aber mittlerweile die Erkenntnis, dass wir alles an der Hand hatten und haben, um der möglichen Unbewohnbarkeit unseres Planeten entgegenzuwirken. Aber während etwa der wissenschaftliche Konsens über die Auswirkungen von Fluorchlorkohlenwasserstoffen auf die Ozonschicht zu einem Verbot von FCKW geführt hat, folgt bei der Klimakrise auf wissenschaftliche Erkenntnisse keine vergleichbar konsequente Reaktion.

Das mag daran liegen, dass das Ozonloch und die Klimakrise nicht unmittelbar vergleichbar sind. Die FCKW-Problematik betraf eine überschaubare Zahl von Stoffen und Herstellern. Fossile Energie steckt hingegen im gesamten globalen Wirtschaftssystem und ist extrem profitabel. Zudem verteilen sich die Folgen über einen sehr langen Zeitraum und geeignete Gegenmaßnahmen erfordern eine globale Übernahme der Verantwortung.

Einer Katastrophe beim Fortschreiten zusehen

Statt Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wird der Begriff Technologieoffenheit genutzt, um konkrete Entscheidungen aufzuschieben oder bestehende (fossile) Technologien länger zu erhalten. Dabei sind Solarthermie, Geothermie, Windkraft und Wasserkraft mindestens seit Jahrhunderten bekannt.

Das Ozonloch und der saure Regen sind Beispiele für eine Generationserfahrung, in der Umweltprobleme erkannt, reguliert und gelöst wurden. Das Frustrierende an der Klimakrise ist deshalb auch nicht die Aussicht auf eine technisch unlösbare Katastrophe. Es ist die Erfahrung, einer vermeidbaren oder zumindest in ihren Auswirkungen abschwächbaren Katastrophe beim Fortschreiten zusehen zu müssen.

Die Gefahr ist bekannt, ein Großteil der Lösungen ist bekannt und dass sie funktionieren, ist ebenfalls bekannt. Dennoch werden die Verursacher der Klimakrise weiter gefördert. Die individuelle klimafreundliche Konsumoptimierung ist wirkungslos, wenn kein politischer Fortschritt stattfindet und das grundsätzliche Vertrauen, dass eine aufgeklärte Gesellschaft auf das reagiert, was sie längst weiß, erschüttert ist.

Es bleiben Gefühle von Ohnmacht, Wut und Erschöpfung, die zu einer relevanten psychischen Belastung(öffnet im neuen Fenster) geworden sind. Vielleicht ist das der größte Unterschied zum Ozonloch: Offenbar fehlt uns nicht das Wissen, sondern die Fähigkeit, daraus gemeinsames politisches Handeln abzuleiten.


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